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06.01.2005
 
Interview mit dem belgischen Nationalkämpfer Achmed Boumrah (Teil 2)
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Achmed Boumrah

E: Würdest Du den jungen Leuten empfehlen Taekwondo zu machen?
A: Ich denke, dass Taekwondo einem jungen Menschen sehr viel bringen kann. Vor allem lernt man nie aufzugeben und hart zu trainieren. Die Schule oder das Studium darf dabei aber nicht vernachlässigt werden, denn das ist das Wichtigste. Betreibt man aber Taekwondo, so muss man es so gut wie möglich tun und immer voll mit dem Herzen dabei sein: „100% geben“, wie Aziz Acharki immer sagt. Manchmal ist man natürlich müde und hat keine Lust weiterzumachen, aber es ist so wie bei einer Prüfung – man ist müde, aber noch nicht fertig, also muss man weitermachen.

E: Ein großes Taekwondoturnier dauert normalerweise einen ganzen Tag, man muss mehrere Kämpfe bestreiten und auch normalerweise sehr früh und auch weit anreisen. Es ist dann sehr frustrierend, vor allem wenn man im ersten Kampf rausfliegt. Es ist also eine anstrengende Sache. Es gibt jetzt aber die Taekwondo Bundesliga, die völlig anders verläuft. Wie findest Du sie? Wie bist Du dazugekommen?
A: Ich finde die Idee der Bundesliga hervorragend und ich denke, dass die Bundesliga sich innerhalb von ein paar Jahren sehr weit entwickeln wird. Ich bin in die Bundesliga durch Aziz Acharki gekommen, der mich eines Tages anrief und fragte, ob ich Interesse hätte. Natürlich war ich interessiert, nicht nur wegen der Kämpfe selbst, sondern auch wegen der Möglichkeit mit starken Partnern zu trainieren. Es ist aber auch eine ganz andere Erfahrung als Team zu kämpfen, als bei einem Einzelturnier.

E: Wie fandest Du die Stimmung bei den Bundesligabegegnungen?
A: Die Stimmung war gut. Wie gesagt, im Team zu kämpfen ist eine ganz andere Erfahrung als bei einem Einzelkampf. Auch wenn man verliert, das Team aber gewinnt, freut man sich. Es ist eine andere Sicht vom Taekwondo, die viele neue positive Aspekte mit sich bringt.

E: Was denkst Du wie man einen Taekwondokampf für einen unkundigen Zuschauer attraktiver gestalten könnte?
A: Ich finde, dass es etwas spektakulärer werden müsste. Die Punktbewertung müsste ebenfalls verbessert werden, in dem Sinne, dass die Attraktivität der Techniken belohnt werden sollte. Beispielsweise 5 Punkte für einen erfolgreichen Drehkick zum Kopf.

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E: Das Problem ist auch wahrscheinlich, dass die Tritte sehr schnell sind. Daher haben Zuschauer oft Mühe zu sehen, wer welche Aktionen durchgeführt hat…
A: Ja das stimmt. Ein Problem ist aber auch, dass sehr vieles von den Kampfrichtern abhängt. Trotzdem meine ich, dass Taekwondo eine schöne und spektakuläre Sportart ist.

E: Was meinst Du als Taekwondo-Wettkämpfer – kann man die Taekwondotechniken auch zur Selbstverteidigung anwenden?
A: Ich bin eigentlich sehr glücklich darüber, dass ich nie die Gelegenheit hatte dies herauszufinden. Natürlich kann man sich mit Taekwondotechniken verteidigen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob Leute, die Taekwondo als reine Selbstverteidigung betreiben, sehr weit kommen. Und die Leute, die Taekwondo treiben um besser prügeln zu kommen, werden im Taekwondo mit Sicherheit nicht weit kommen.

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E: Wie lässt sich Taekwondo mit der Familie vereinbaren?
A: Es ist nicht einfach, denn derjenige, der das Taekwondo als Leistungssport betreibt, das nicht wegen des Geldes macht. Man kann mit Taekwondo nämlich noch nicht viel verdienen. Der Kämpfer muss sehr viel für das Taekwondo geben und dann ist es oft natürlich sehr schwierig den Sport und die Familie in Einklang zu bringen. Ich denke, dass die Sportler, die Taekwondo hochleistungsmäßig betreiben und eine Familie haben, ein sehr schweres Leben gewählt haben.

E: Taekwondo ist eine sehr facettenreiche Sportart, die ein sehr breit angelegtes Training erfordert. Außer im physischen Bereich, muss insbesondere im mentalen Bereich gearbeitet werden. Wie wichtig ist Deiner Meinung nach das mentale Training im Taekwondo, gerade für den Wettkampf?
A: Auf einer Weltmeisterschaft sind 90% der Athleten topfit, d.h. physisch sehr gut vorbereitet. Daher kommt es mental darauf an. Man muss auch, sozusagen, wollen. Und dafür ist ein sehr hartes Training notwendig.

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E: Bleibt während eines Wettkampfes Zeit zum Nachdenken?
A: Es bleibt nicht viel Zeit um nachzudenken. Der Kampf verläuft sehr schnell und intensiv, so dass die Automatismen und Taktik in erster Linie stimmen müssen. Zur Taktik kann auch der Coach sehr viel beitragen, in dem er seine Beobachtungen dem Kämpfer mitteilt. So zum Beispiel, ob der Gegner mit dem einen oder anderen Bein besonders gut ist, aber ansonsten kommt es größtenteils auf die Reaktion an.
Ein bisschen denken ist aber dennoch notwendig – aber nicht zu viel. Für viele Anfänger ist es ein großes Problem, dass sie während eines Kampfes zu viel nachdenken. Auf einer Pratze kann man alles machen, aber im Kampf ist es eben anders. Ich bin davon überzeugt, dass die besten Kämpfer diejenigen sind, die im Wettkampf die Techniken wie im Training anwenden können, d.h. locker und ohne psychische Verspannungen.

E: Du machst jetzt 14 Jahre Taekwondo, davon fast zehn Jahre als Wettkämpfer. Hat sich das Niveau des Taekwondo in diesen Jahren verändert?
A: Ja, ich bin jetzt 9 Jahre Wettkämpfer. Taktisch hat sich in dieser Zeit nicht viel verändert, aber im physischen Bereich haben die Kämpfer sehr stark zugelegt, sodass auch viel härtere Kämpfe zustande kommen. Hier ist das Niveau sehr stark angestiegen.

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E: Eine ganz andere Frage: ich weiß, dass Du mehrere Sprachen sprichst. Wie viele und welche?
A: Ich spreche sechs Sprachen: Arabisch, Holländisch, Deutsch, Spanisch, Englisch und Französisch.

E: Wie kam es dazu?
A: In Belgien hat man die Gelegenheit drei Sprachen zu lernen: Deutsch, Französisch und Niederländisch. Englisch lernt man, wenn man viel reist, fast von selbst. Spanisch habe ich während des letzten Jahres meines Ingenieurstudiums gelernt, da ich dieses Jahr in Madrid verbracht habe. Dort habe ich meine Diplomarbeit an einem Forschungsinstitut geschrieben. Arabisch is eigentlich meine Muttersprache, denn meine Eltern kommen aus Marokko.

E: Was war das Thema Deiner Diplomarbeit?
A: Es ging um neuronale Netzwerke und mathematische Algorithmen zur Analyse größerer Datenmengen. Jetzt habe ich eine Spezialisierung im Bereich der Maschinensicherheit abgeschlossen. Zukünftig plane ich noch ein Diplom im Bereich der Umwelttechnik zu machen, um den Zusammenhang zwischen Produktionsprozessen und der Umwelt besser kennen zulernen, da ich dieses Thema sehr wichtig finde.

E: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Ewgeniy Oganian; Fotos: Dr. Thomas Fabula.

 
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